CATALOG OF ORIGINAL DESCRIPTIONS: Acanthocorys variabilis Popofsky 1913

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Acanthocorys variabilis

Citation: Acanthocorys variabilis Popofsky 1913
Rank: species
Type specimens: text-figs.71-81
Type repository: No information given
Described on page(s) : p.360
Family (traditional): Plagiacanthidae
Family (modern): Lophophaenidae

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Current identification/main database link: Lophophaena variabilis (Popofsky) Petrushevskaya 1971


Original Description
Die hauptsächlichste Gestaltungsart (Textfig. 77) dieser außerordentlich variablen Spezies läßt sich etwa folgendermaßen umschreiben: Der Kopf ist meist länger als breit, von ovaler Form und mit einer deutlichen Nackeneinsenkung von dem glocken- oder birnförmigen Thorax abgesetzt. Bei älteren Tieren ist die Schalenmündung eingezogen. Der Kopf ist mit verschieden großen, meist kreisrunden Poren versehen, welche meistens bedeutend größer sind als die unregelmäßig rundlichen, sehr verschieden großen, dichtgedrängten Poren des Thorax. Auch sind die Kopfporen in die Schalenwand eingesenkt und in noch späterem Stadium der Entwicklung (Textfig. 76) mit erhabenen Kanten umrahmt. Kopf und meist auch der Thorax sind mit schlanken, dornen- (Textfig. 74, 76) oder nadelförmigen, langen (Textfig. 75, 77) Stacheln bedeckt, deren Zahl bis zu 40 betragen kann und sehr variabel ist. Eine Anzahl der Stacheln verläuft (Textfig. 79) in der Thoraxwand und tritt am Kopf und am Thoraxmund erst ins Freie. Zwischen diesen Stacheln befinden sich auch die Urstacheln. Sie werden besonders schön erkennbar bei beiderseits offenen Jugendstadien (Textfig. 73.) Im besten Falle schien mir das Urstachelgerüst aus den Stacheln A, D, Lr, Ll, V und den sekundären Lateralstacheln lr, ll zu bestehen, also ein Gerüst nach dem älteren Campylacantha-Typus zu sein. Ein Teil dieser Urstacheln tritt am Thorax als konische, nadelförmige Stacheln ins Freie. Die Zahl der entwickelten Urstacheln scheint variabel zu sein, wenigstens gilt das von deren äußerlich sichtbaren Enden.

(Based on fully developed specimen illustrated Textfig. 77): Total length 88µm. cephalis width 35µm. Diameter pores cephalis up to 9µm. Spine length 40-80µm. Distinguishing characters (rw): Auf Grund der vielen Exemplare dieser Art, die mir zu Gesicht kamen, kann ich ein fast lückenloses Bild der Skelettbildung bei dieser Form und der wichtigsten Varietäten geben. Die Skelettbildung beginnt offenbar mit dem Urstachelgerüst, an dem im günstigsten Falle die sieben. Stacheln A;D, Lr, Ll, lr, ll, V vertreten sind (Textfig. 73). Wir haben hier ein schönes Beispiel dafür, daß auch bei den Cyrtoideen die "Erinnerung" an die phylogenetische Skelettwerdung erhalten. geblieben ist und sich während der Ontogenese wiederholt. Von den Urstacheln aus bilden sich in gewisser Entfernung seitliche Apophysen, die untereinander verschmelzend, einen Porenring bilden, der allmählich nach oben und unten in einen zylindrischen oder kegelförmigen Gitterteil übergeht, welcher oben und unten eine weite kreisrunde Öffnung besitzt. Der obere Durchschnitt ist geringer an Größe (Textfig. 72) und liefert später den etwas schmaleren Kopf, der untere ist breiter und liefert den Thorax. Am oberen und unteren Rande sieht man noch die Stachelenden jener Stacheln, die das Grundgerüst für den seitlichen Abschluß der Schale bilden. Diese Stacheln strahlen oben und unten auseinander, wie die Strohhalme bei einem Garbenbündel, welches in der Mitte eingeschnürt ist.
An diesen distalen und basalen Zähnen und Stacheln bilden sich dann nach innen, also nach der Achse des Skelettes zu, seitliche Fortsätze, welche untereinander anastomosieren und dadurch im oberen Skeletteil, dem Kopf, einen vollständigen distalen Abschluß desselben bewerkstelligen (Textfig. 75, 77) und im unteren thorakalen Teile durch Einbiegen nach Innen den Schalenmund einengen (Textfig. 77), wenn nicht ganz verschließen. Letzteres ist allerdings noch nicht beobachtet worden, doch deutet das Skelett in Textfig. 77 in allen seinen Einzelheiten deutlich darauf hin. Die freien Stachelenden bleiben dann, mehr oder minder lang, als Beistacheln auf der Schale sichtbar. Daß in der Tat die Schalenbildung von diesem Garbenbündel von Stacheln ausgeht, zeigt in Textfigur 72 der in der unteren Hälfte am weitesten links gelegene Stachel, der seinem Nachbar eine Reihe von Zähnchen entgegenstreckt, die später zu Skelettbalken werden und neue Poren abschließen. Ist die Schale soweit hergestellt, dann wird zwischen den Poren, namentlich den Kopfporen, noch weiter Skelettmasse aufgelagert, wodurch die polygonal gerahmten, eingesenkten Poren entstehen.
Die Zusammengehörigkeit der Individuen in Textfig. 71-77 erscheint mir zweifellos. Nicht so sicher bin ich bei den durch Textfig. 78-81 dargestellten Tieren. Ihre Zugehörigkeit zu der neuen Art glaube ich durch ein dem Entwicklungsstadium in Textfig. 72 ähnliches Stadium beweisen zu können, das gleichfalls die Garbenbündelform besaß; es war auch oben und unten offen, besaß ferner als Rippen in der Schalenwand auftretende "Garbenstacheln", die aber nur selten länger waren, als zur Gitterschalenbildung unbedingt nötig ist; deshalb zeigten sich bei diesem Tiere nur sehr wenige von äußerlichen Beistachelenden. Denken wir uns nun diese schalenbildenden "Garbenstacheln" noch mehr in der Bildung der Gitterschale aufgehend, ihre freien Enden größtenteils rückgebildet, sie selbst auch nicht mehr, wie in Textfig. 79, als hervortretende Rippen auf dem Gitterschalenmantel markiert, dann kommen wir zu Förmen, die auch nach oben und unten offen sind, also die gleiche Entstehungsweise haben wie Textfig. 79 und 72, aber noch weniger oder gar keine Beistacheln besitzen und nur die Urstacheln über die Schale frei hinausragen lassen (Textfigur. 81).

Wird der Kopf in derselben Weise, wie es für das Entwicklungsstadium in Textfig. 72 oben geschildert wurde, distal noch abgeschlossen, so mögen Formen resultieren, wie sie uns Textfigur 78 wiedergibt. Auch scheint damit eine Reduktion der Zahl der Urstacheln Hand in Hand zu gehen. Während der Typus die sieben Stacheln A, D, Lr, Ll, 1r, ll, V besitzt und auch mit äußeren Enden derselben über die Schalenwand hinausragt, sind bei solchen Exemplaren wie in Textfig. 78 nur noch die Urstacheln A, D, Lr, Ll äußerlich sichtbar. Ob Reste der andern Urstacheln innerlich erhalten bleiben, konnte ich leider nicht feststellen.
Es wäre nun ein leichtes gewesen, aus diesen zusammengehörigen Formen eine fast ebenso große Zahl von neuen Arten aufzustellen, als Individuen von der Acanthocorys variabilis beobachtet wurden, denn es gibt kaum zwei Tiere, die in Form und Ausbau der Schale völlig übereinstimmen. Auch ist die systematische Stellung nach dem Haeckelschen System schwer festzulegen. Nimmt man die oben in der Diagnose extrahierten allgemeinen Merkmale der völlig ausgebildeten Skelette als Grundlage, so rechnet die Art wohl zu Lithomelissa. Die beiderseits (apikal und basal) offenen, garbenbündelähnlichen Entwicklungszustände (Textfig. 71, 72) würden in Haeckels Genus Amphiplecta (1887, p. 1223) gehören. Dieses Genus besitzt drei Thoraxstacheln, ein Apikalloch mit einem Stachelkranz umgeben und ein basales Loch. Die Stacheln liegen aber bei unserer Art meist nicht innerhalb der Thoraxwand, sondern strahlen über dieselbe hinaus ins Freie (Textfig. 73, 79, 81). Wenn, wie oben angedeutet, die völlig ausgewachsenen Tiere auch ihre basale Schalenöffnung am Thorax noch schließen, so würden Skelette resultieren, die die Art der Gattung Micromelissa (Haeckel, 1887, p. 1235) zuweisen würden.
Sind die Beistacheln nur in geringer Anzahl entwickelt, und diese wenigen Stacheln, wie auch die Urstacheln, kurz angelegt und gegittert (etwa wie Textfig. 80), so kommen sie der von Haeckel beschriebenen Lithomelissa bütschlii (Haeckel, 1887, p. 1207, Taf. 56, Fig. 1) in der äußeren Form ziemlich nahe. Doch scheint, nach Haeckels Abbildung zu urteilen, bei Lithomelissa bütschlii kein inneres Urstachelgerüst vorhanden zu sein, welches an die äußeren radiären, gegitterten Apophysen herantritt.
Ihr am nächsten unter den Acanthocorys -Arten steht Acanthocorys umbellifera Haeckel (1862, p. 305, Taf. VI, Fig. 12). Ich habe auch zuerst die Absicht gehabt, sie mit jener Art zu identifizieren. Doch sind mir auch wiederum Bedenken gekommen. Erstens ist die Entwicklung unserer Art eine durchaus eigenartige, und es ist fraglich, ob dieselbe bei Acanthocorys umbellifera sich so abspielt; dann hat sie ein inneres Stachelgerüst, was letzterer zu fehlen scheint, da weder Haeckel noch Jorgensen (1905, p. 137, Taf. XVIII, Fig. 107) ein solches gesehen haben; ferner sind die Kopfporen bei unserer Art groß und polygonal gerahmt, die Thoraxporen dagegen klein, bei Acanthocorys umbellifera ist es gerade umgekehrt, eine Umrahmung der Kopfporen fällt bei dieser auch fort; bei der letztgenannten Art sind die Stacheln des Thorax die längsten, die Kopfstacheln kurz, bei unserer neuen Art liegen die Verhältnisse gerade umgekehrt.
Jorgensen hat seine Beobachtung von Acanthocorys umbellifera in nordatlantischen Gewässern mit einem Fragezeichen versehen. Er hat keine Beistacheln auf dem Thorax gesehen. Mir scheint, daß ihm Varietäten von Acanthocorys variabilis vorgelegen haben, etwa wie unsere Textfig. 72, aber mit apikal geschlossenem Kopf.

Editors' Notes
Varietäten: 1. Mit geringerer Stachelzahl (Textfig. 79), 18. September 1903, 400 m (1).
2. Mit geringerer Stachelzahl, aber auch oben und unten offener Schale (Apikalloch), wie Text-figur 81: 11. September 1903, 400 m (1).
3. Mit gegitterten Stachelanhängen und gegittertem Kopfhorn (wie Textfig. 80), 18. September
1903, 400 m (1). [Synonymized with Lophophaena bütschlii (Hck.) by Petrushevskaya, 1971b, p.109]
4. Mit wenigen, fast rückgebildeten äußeren Stachelenden und Hörnern (wie Textfig. 78), 15. Mai 1903, 400 m (1).
[text-fig. 72-77 Synonymized with Lophophaena hispida (Ehrenberg) Petrushevskaya, 1971b, p.115]

References:

Petrushevskaya, M. G. (1971a). Radiolyarii Nasselaria v planktone Mirovogo okeana [Nasellarian radiolarians in the plankton of the world ocean]. Trudyi Zoologicheskogo Instituta, Akademiya Nauk, SSSR. 9(17): 1-294. gs

Popofsky, A (1913). Die Nassellarien des Warmwassergebietes. Deutsche Sudpolar-Expedition 1901-1903, Zoologie. 13(6): 216-416. gs


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